…was wir per se nicht schlimm fanden. Je nachdem wie dringend wir Pipi mussten. Aber dazu später mehr 😅

Sambia ist riesig, deswegen sind Busfahrten meistens lang. Zwischen der Hauptstadt Lusaka und Livingstone liegen zum Beispiel 485 Kilometer – in unserem Fall bedeutete das 8 Stunden Busfahrt. Die längste Fahrt war jedoch eindeutig die nach Mfuwe (das Dorf am South Luangwa Nationalpark) mit 13 Stunden.

Wir nehmen euch dazu mal von ganz Anfang mit.

Schritt 1, wenn ihr mit dem Bus durch Sambia reisen wollt, ist der Ticketkauf. Der findet weder online noch per Telefon statt. Ihr müsst dafür zum Bus Terminal der Stadt. Wie wir schon erwähnt hatten, der in Lusaka ist für uns im Ranking der schlimmsten Bushaltestellen/Bahnhöfe gaaaaanz weit oben. Also nicht unbedingt ein angenehmer Weg sein Ticket zu kaufen. Und auch nicht unbedingt einfach als Tourist.

Wir mussten uns zahlreiche „hilfsbereite“ Menschen vom Hals halten, die uns beim Ticketkauf und/oder der Wahl des richtigen Anbieters für einen kleinen Lohn unterstützen wollten. Als wir es dann geschafft hatten, den Verkaufsstand des Busunternehmens unserer Wahl, „power tools“, zu finden, war es easy. Aber bis dahin echt ein weiter und erschöpfender Weg. Unter Gewusel sollte im Duden das Bild des Intercity Bus Terminus abgebildet sein. 

Ich (Amelie) musste dem Angestellten von Power Tools für die Fahrt von Lusaka nach Livingstone umgerechnet insgesamt 9,75€ zahlen und unsere Namen nennen, dann hatte ich auch schon 2 personalisierte Tickets für den morgigen Tag. Nach South Luangwa waren es für 2 Personen insgesamt 26,77€ für 675km Strecke.

Die Tickets gibts übrigens immer nur genau einen Tag vorher. Also spart euch den Weg 2 Tage vorher, raten wir aus eigener Erfahrung…

Die Busse fahren in die großen Städte und benachbarten Länder mehrmals am Tag oder täglich und das trotz der Pandemie, was wir sehr gut fanden und Busse daher für Sambia zu unserem Verkehrsmittel der Wahl gemacht haben. Züge taten es nämlich pandemiebedingt nur 1x wöchentlich und wir haben von anderen Reisenden gehört, dass nicht einmal das sicher sei. 

Die Abfahrtzeiten sind allerdings keine fixen Zeiten. In Lusaka sollte es für uns um 8 Uhr losgehen. Letztendlich setzte der voll beladene und bis auf den letzten Platz gefüllte Bus um 10 in Bewegung. Wir haben die Vermutung, dass erst alle Plätze gefüllt wurden, bevor es losging. Sehr ökonomisch!

Alles, was auf einer Busfahrt brauchbar ist oder sein kann, könnt ihr von den fliegenden Händler*innen, die noch bis kurz vor Abfahrt durch den Bus spazieren, kaufen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen, die uns angeboten worden: Powerbanks, Tücher, Uhren, Pommes mit Hühnchen oder Würstchen, Getränke aller Art, Bananen, Bibeln…

A pro pos Bibeln… Auf einer Fahrt wurde vor Abfahrt ein Gebet gesprochen. Das war auf Englisch, und der nette Herr hat dazu noch den Bus und die Crewmitglieder gesegnet und vorgestellt. Das fanden wir sehr hilfreich.

Der Bus an sich hatte recht schmale Sitze, war aber ansonsten gut ausgestattet, nicht sonderlich abgenutzt und sauber. Rolltstuhlgerecht waren die Busse allerdings nie. Es gab immer mindestens 1 hohe Stufe an der Tür zum Einstieg und meist auch eine obere Etage, die über Stufen erreichbar war. Der Rollstuhl wurde mit dem Gepäck verladen und kam zum Glück immer unbeschadet und im Ganzen mit. 

Das Tempo der Busse war angesichts der teilweise schlechten Straßenverhältnisse (riesige Schlaglöcher, Schotterpisten) nie höher als 80 km/h und es wurde sehr umsichtig gefahren. Das fanden wir sehr angenehm. 

Während der Fahrt wird allerdings üblicherweise, wenn in Dialekten oder Bantusprachen besprochen, weswegen wir wenig Anhaltspunkte zum Ablauf hatten. Generell wurde bei unseren 3 Busfahrten nur in Einzelfällen gesagt, wie lange wir Pause machen. Der Rest lief wortlos ab.

Das machte jeden Toilettengang oder jede Besorgung unterwegs (ja, verhungern oder verdursten werdet ihr definitiv nicht!) zum Abenteuer. 

Der Bus fährt dann im Zweifel ohne die weiter, die noch auf der Toilette oder beim einkaufen sind. So ist das Leben…

Björn hatte mich (Amelie) bei der ersten Fahrt zum Glück davor bewahrt eine neue Mitfahrgelegenheit suchen zu müssen, knapp wars, aber ich habe daraus gelernt. Pinkel‘ und renn‘ um dein Leben, damit du den Bus kriegst. Manche Busfahrer haben netterweise auch ein paar mal vor dem Weiterfahren energisch gehupt.

Entgegen dem, was wir zuvor in Blogs gelesen haben, mussten wir kein einziges Mal im freien Pinkeln gehen. Der Bus hat mindestens 2 Mal pro Fahrt in einem Dorf mit Klo oder Erdloch mit Tür gehalten. Für 3 Kwacha gab es auch Klopapier zu kaufen. Dennoch schadet es nicht, seine eigene Rolle dabei zu haben.

Wir haben jede Busfahrt, auch mit teilweise starkem Harndrang, sehr genossen. Was wir auf dem Weg sehen konnten, hat sich in unsere beiden Hirne eingebrannt und wir reden noch heute (in Peru) davon, wie erstaunlich es ist, dass Menschen komplett im Nichts leben. Nein, nicht Nichts, sondern in malerischen Landschaften, mal Wüstenartig und mal unglaublich bewachsen und grün, ein Haus oder eine Hütte haben. So völlig ohne direkten Anschluss zu einem Dorf…

Deswegen haben wir auch echt fast überall Menschen sehen können, die am Straßenrand sicherlich so einige Kilometer zu Fuß bewältigten.

Und wenn keine Menschen den Straßenrand säumten, dann teilweise leider verunfallte Fahrzeuge. Das ist uns aufgefallen. Sicherlich lag es daran, dass die Straßen teilweise echt riesige Schlaglöcher hatten oder zum Teil von Schotter unterbrochen waren.

Uns wurde wirklich nie langweilig auf den Fahrten. Unser Handy nutzten wir nur wenig, weil es immer etwas zu sehen gab. So haben wir die extra gekauften 10 GB Internet anderweitig nutzen können. Empfang gab es jedoch wirklich auf 90% der Strecke.

Auch im Bus ist immer viel los gewesen, fanden wir. Mindestens ein Fernseher mit englischer Chormusik ist Standard. Manchmal mehrere mit verschiedenen Songs. Manchmal singende Mitfahrende und gewiss einige, die laut telefonieren… Neben menschlichen Mitfahrenden hatten wir zeitweise auch tierische Passagiere. Hühner wurden entweder in der nicht funktionierenden Toilette eingesperrt oder in Säcken am Platz oder im Gang mitgenommen.

Ausgerechnet auf unserer längsten Fahrt nach Mfuwe teilten wir uns übrigens eine sehr schmale 3er Bank mit einer niedlichen älteren Dame, die sich als hartnäckige „Ellenbogenausbreiterin“ entpuppte. Aber alles gut, wir haben uns dennoch verstanden. Essen geteilt, uns ab und an mal die Hand auf die Schulter oder das Bein gelegt oder einfach zusammen gelacht oder gelitten (auch sie fand die Fahrt zum Ende hin seeehr lang) ohne eine Sprache zu teilen.

Die Fahrt wurde deshalb so lang, weil der Bus flexibel auf der Strecke hält, wenn jemand aussteigen möchte. Sehr praktisch für diejenigen, die aussteigen wollten. Für alle, die bis zur Endstation wollten (wir und 1 weitere Person) war es irgendwann einfach eine Qual, denn nach der letzten Toiletten-Möglichkeit war 6 Stunden vergangen…

Aber wir hielten durch und nahmen beide bei Ankunft unglaublich erleichtert die nächstbeste Toilette, die uns ein Foto wert war. Danke an die nette Familie, dass sie uns ihre Toilette haben nutzen lassen! 

3 Antworten

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